Augen zu und durch? Wie weiter mit dem G8?

Rupert Appeltshauser (rechts) mit Philipp Dees

Rupert Appeltshauser (rechts) mit Philipp Dees

Nur eine überschaubare Zahl von Gästen kam zur Diskussion „Augen zu und durch“, bei der auf Einladung des SPD-Landtagskandidaten Philipp Dees über das achtstufige Gymnasium diskutiert wurde. Diese Gäste aber erlebten eine hochspannende Diskussion über die weitere Entwicklung der Schule.

Referent Rupert Appeltshauser, der als Gymnasiallehrer selbst die Einführung des G8 erlebt hat, stellte dessen Probleme und Irrwege eindrucksvoll vor. Dabei wies er zunächst darauf hin, dass eigentlich vieles gegen eine Verkürzung der Schulzeit spreche: Die Anforderungen an die Ausbildung junger Menschen stiegen an, die Vermittlung von mehr Sprechfertigkeit in modernen  Fremdsprachen erfordere genauso mehr Zeit für die Schule wie die komplexer gewordene Medienlandschaft oder die größer geworden sozialen Unterschiede in der Schülerschaft, die die Schule eigentlich ausgleichen müsse. Dies alles habe die überhastete Einführung des achtstufigen Gymnasiums ignoriert.

Die neuen Lehrpläne hätten an diesen Problemen nichts ändern können. Sie seien zwar geprägt vom Willen, die Neugestaltung auch zu modernen pädagogischen und didaktischen Ansätzen zu nutzen. Um diese aber tatsächlich umsetzen zu können, fehle am verkürzten Gymnasium die Zeit – eine Beobachtung, die in der anschließenden Diskussion von anwesenden Gymnasiallehrern bestätigt wurde.

Die Folge der überhasteten Reform sei eine höhere Belastung der Schülerinnen und Schüler, die bei vielen zur Überforderung führen würde. Die Abiturnoten zeigten dies beispielhaft: Zwar gebe es immer noch viele Abiturienten, die gut abschnitten; die Zahl der Durchfaller oder derjenigen, die mündliche Zusatzprüfungen absolvieren müssten, sei aber deutlich gestiegen. Auch die zunehmende Zahl von psychischen Erkrankungen bei Schülerinnen und Schülern sei ein Alarmsignal.

Appeltshauser forderte ein anderes Bildungsverständnis ein: Man dürfe sich nicht an den Interessen der Wirtschaft orientieren, denen auch das G8 zu verdanken sei. Stattdessen müsse man sich wieder am Humboldtschen Ideal einer umfassenden Bildung orientieren, zu der auch deren Zweckfreiheit gehöre.

Philipp Dees erläuterte in der Diskussion, man könne nach der verunglückten Einführung des G8 nun nicht einfach mit einer erneuten Reform „im Schnellschuss“ das Gymnasium verändern. Stattdessen sei es notwendig, einen Dialog mit allen Beteiligten über die Anforderungen an das Gymnasium zu führen und dann zu entscheiden, wie es ausgestaltet sein solle. Dabei dürfe auch eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium kein Tabu sein.