Radtour zu Kunst im Erlanger Stadtbild

Veranstaltung in der Reihe „Auf die Plätze“

spd_aufdiepl_marker-DBei der Radtour „Kunst im Stadtbild“ im Rahmen der Reihe „Auf die Plätze“ wurden verschiedene bekannte und weniger bekannte Kunstwerke in der Stadt angesteuert. Jedes Objekt wurde hierbei von Stadträtin Ursula Lanig sowie der Leiterin des Kulturpalais, Amely Deiss, erläutert. Ca. 25 Interessierte hatten sich der Radtour angeschlossen.

Löwe am Martin Luther-Platz

Der Löwe war ursprünglich Teil eines Kriegerdenkmals zum Deutsch-Französischen Krieg, das 1890 errichtet worden war. 1952 war das Denkmal abgebrochen worden, weil es ein Verkehrshindernis darstellte. Der Löwe wurde schließlich 2003 als Überbleibsel des Denkmals auf dem Platz wieder aufgestellt.

Brunnen am Altstädter Kirchplatz

Der Fischerknabe, der den Brunnen auf dem Altstädter Kirchenplatz ziert, befand sich ursprünglich am Bahnhofsvorplatz, musste jedoch in den 50er Jahren weichen. Ursprünglich war der Brunnen somit für den Platz, an dem er sich jetzt befindet, gar nicht vorgesehen. Auch die Zusammenstellung mit den nun vorhandenen Bänken, welche gerne für den Aufenthalt genutzt werden, ist neu. Das Motiv des Fischerknaben kann möglicherweise einfach als eine Anspielung auf das Wasser im Brunnen verstanden werden. Der Brunnen schneidet den ehemaligen Verlauf der alten Stadtmauer, welcher am Boden durch Pflastersteine sichtbar gemacht wurde.

Pauli-Brunnen und Laterne – Marktplatz

Der Pauli-Brunnen auf dem Marktplatz ist im Gegensatz zur Markgrafenstatue auf dem gegenüberliegenden Schlossplatz, welche den Gründer der Erlanger Universität darstellt, ein Hinweis auf das Bürgertum. Er stammt von einer Stifterfamilie und wird als ein Wahrzeichen von Erlangen angesehen.

Als temporäres Kunstwerk befindet sich derzeit zudem eine Laterne auf dem Marktplatz. Diese stammt ursprünglich aus Buenos Aires. Sie brennt immer zur Öffnungszeit der Ausstellung „Machinery Misfits“ im Kunstpalais, also anders als gewöhnliche Laternen nicht in der Dunkelheit, sondern mitten am Tag. Als temporäres Kunstwerk wurde sie in der Öffentlichkeit stark diskutiert. Wiederholt wurde von beunruhigten Bürgern sogar die Feuerwehr gerufen. Temporäre Kunstwerke fallen gerade durch ihr nur vorübergehendes Vorhandensein oftmals stärker auf als dauerhafte Objekte.

Jakob-Herz-Denkmal

Nachdem das ursprüngliche Denkmal von den Nazis zerstört worden war, weil Jakob Herz Jude war, ist derzeit nur noch eine Stele als Erinnerung vorhanden. Diese befindet sich an der Ecke Krankenhausstraße – Universitätsstraße, während das ursprüngliche Denkmal am Hugenottenplatz stand. Jakob Herz galt als Wohltäter der Stadt Erlangen, so dass die Bürger selbst ihm als Dank für seine große Nächstenliebe das Denkmal stifteten. Dies gemeinsam mit der Tatsache seiner Zerstörung im Dritten Reich sollte zum Ausdruck bringen, dass die Wahrnehmung von Kunst immer auch abhängig von zeitlichen Umständen und gesellschaftlichen Normen ist. Auch aus diesem Grund wurde auch auf eine Wiederherstellung des Denkmals verzichtet.

Lorlebergplatz

Im Rondell am Lorlebergplatz stand früher ein schwarzer Obelisk aus dem 19. Jahrhundert, der als Kriegsdenkmal errichtet worden war. Derzeit befinden sich dort Blumenpflanzungen. Der Lorlebergplatz gilt mit als einer der sehr schönen Plätze in der Stadt, er wird jedoch im Alltag nicht als Platz erlebt und kaum zum Aufenthalt genutzt. Eine Initiative wollte wieder einen Obelisken an dem Platz errichtet haben, dies hatte sich jedoch im Stadtrat nicht durchgesetzt. Zudem gab es einen Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Platzes, diese wurde jedoch von den Anwohnern abgelehnt und daher verworfen. Hier war auch das Konzept dabei, zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität eine Seite des Kreisverkehrs zuzumachen.

Eine interessante Möglichkeit wäre es auch gewesen, den Wanderer von Kirchner auf dem Platz aufzustellen. Dies hätte eine schöne Verbindung zum Burgberg und dem dortigen Skulpturengarten ergeben. Als besonders wichtig wurde bei der Radtour angemerkt, dass für weitere Platzgestaltungen sofort Künstler mit einbezogen werden sollten.

Pferd im Glaskasten – Röthelheim-Campus

Das Pferd im Glaskasten, welches sich auf dem Röthelheim-Campus befindet, konnte im Rahmen der Tour nicht betrachtet werden, da es aufgrund von Beschädigungen gerade repariert wird. Generell ist Glas bei öffentlichen Kunstwerken natürlich problematisch. Es wurde allerdings hierbei auch angemerkt, dass es dort zuvor 13 Jahre lang unbehelligt gestanden hatte. Das Glas ist milchig, so dass sich das Pferd lediglich erahnen lässt. Die Skulptur soll einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen, schließlich hatten sich früher, als der Bereich noch als Kasernenareal genutzt wurde, auf dem Platz unter anderem auch Stallungen befunden. Die Skulptur steht auf dem Platz nicht rechtwinklig und stellt damit einen Gegensatz zu den umgebenden Gebäuden dar.

Skulpturen am ZMPT

Vor dem ZMPT (Zentrum für Medizinische Physik und Technik) befinden sich drei Skulpturen, die jeweils die gleiche Person, nur in leicht unterschiedlicher Haltung darstellen. Die Figuren wirken sehr natürlich. Sie sollen einen durchschnittlichen Menschen mit durchschnittlicher normaler Kleidung darstellen, der forscht, arbeitet und so weiter. Etwas kritisch könnte hier gesehen werden, dass eben nur ein weißer Mann dargestellt ist, und nicht etwa auch eine Frau. Allerdings handelt es sich eben letztlich auch nur um eine dargestellte Person.

Hase – Röthelheimpark

Der Hase auf dem Grünzug im Röthelheimpark ging aus einem Ideenwettbewerb hervor, bei dem sich die Künstlergruppe „Inges Idee“ durchgesetzt hatte. Ziel sollte es hierbei sein, die ehemalige militärische Nutzung des Geländes mit der heutigen Nutzung als attraktives Wohnquartier zu verbinden. Der Hase soll eine Anspielung auf den ehemaligen Exerzierplatz sein, auf welchem quasi nachts, wenn keine Übungen mehr stattfanden, nur noch die Hasen unterwegs waren. Die Ohren des Hasen symbolisieren das Victory-Zeichen. Dies soll ebenfalls eine Anspielung auf die ehemalige militärische Nutzung des Geländes sein, jedoch hier aus dem militärischen Kontext entfernt.
Die Aufstellung wurde von den Anwohnern interessiert verfolgt. Während manche sehr begeistert waren, äußerten andere Bedenken, zum Beispiel wegen möglicherweise störender Reflexionen.

Rathausplatz

Auf dem Rathausplatz befindet sich eine Ansammlung von verschiedenen Kunstobjekten. Das Objekt „Wie die beiden Hälften eines Apfels“ soll auf die Städtepartnerschaft mit Besiktas hinweisen. Sie wurden von türkischen Künstlern gefertigt. Zudem befindet sich auf dem Platz eine Stele mit den Namen der Partnerstädte Erlangens. Ein weiteres Objekt ist die Skulptur „Königin III“, die besonders durch ihre Schlichtheit auffällt und weibliche Assoziationen weckt.

Der Rückertbrunnen auf dem Rathausplatz dient zur Belebung des Platzes. Die Skulptur im Brunnen war das Ergebnis eines von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerbs. Die Idee hatte zwar nur den zweiten Platz belegt, wurde aber wegen Schwierigkeiten bei der Realisierung des Erstplatzierten dennoch umgesetzt.

Der Rathausplatz ist insgesamt sehr vielfältig, so dass nicht klar ist, welcher Bereich nun der Hauptplatz ist. Die Gestaltung des Platzes ist durch seine Multifunktionalität teilweise eingeschränkt. Die auf dem Platz aufgestellten Objekte sind teilweise „Verlegenheitslösungen“, wenn andere geeignete Plätze für das jeweilige Objekt nicht gefunden werden konnten.

Die Bodenmusterung des Platzes ist eine Hommage an die Planstadt Erlangen, welche ein eigenes Kunstwerk darstellt und zu der Zeit, als sie entstand, ein sehr modernes Projekt war.