Offen aus Tradition – Nur ein Lippenbekenntnis? Dialogveranstaltung zum Thema Integration

Im Rahmen der Weiterentwicklung ihres kommunalpolitischen Programms lädt die SPD Erlangen Vereine und Initiativen zum Dialog ein – im Januar zum Thema Integration.

Erlangen steht eine offene Willkommenskultur gut zu Gesicht, sind doch das Wachstum und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt bereits in der Geschichte auf Zuwanderung begründet. Der Zuzug der Hugenotten Ende des 17. Jahrhunderts führte dazu, dass in Erlangen zahlreiche Manufakturen ihren Standort fanden und die Stadt wirtschaftlich prosperierte. Aber auch in der jüngeren Geschichte machen die Aufnahme einer großen Anzahl von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg oder auch die Ansiedlung der Firma Siemens deutlich, dass Erlangens Wirtschaftskraft nicht zuletzt der Zuwanderung zu verdanken ist.

Die Kommune hat dabei nur eingeschränkte Einflussmöglichkeiten auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die das Leben von Migrantinnen und Migranten bestimmen. Lediglich bei konkreten Integrationsangeboten hat die Stadt einen Gestaltungsrahmen. Oft bleibt ihr ansonsten nur übrig, Defizite der Gesetzeslage (z.B. bei der Flüchtlingspolitik oder bei der doppelten Staatsbürgerschaft) zu benennen und zu kritisieren. Lediglich bei der Auslegung bestehender Vorschriften bleibt der Verwaltung ein kleiner Spielraum offen.

Dies führte Dr. Florian Janik, der die Anwesenden für die Fraktion begrüßte, in einem kurzen Eingangsstatement aus. Anschließend stand der Austausch mit betroffenen Bürgerinnen und Bürgern auf der Tagesordnung. Hierbei wurden viele Themenbereiche angerissen:

Das bayerische Schulsystem stellt viele Menschen mit Migrationshintergrund vor große Herausforderungen. Fehlende Durchlässigkeit, die Benachteiligung von Ausländern und die Unkenntnis vieler Eltern über das System an sich stellen oft unüberwindbare Hürden dar.

Viele Änderungen wurden hier angeregt. Vor allem in die Sprachförderung ab dem Kleinkind-Alter bis in die weiterführenden Schulen werden große Hoffnungen gesetzt. Eine Elternschule, Patenschaften, gemischte Klassen, muttersprachlicher Unterricht, Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache und eine koordinatorische und finanzielle Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement durch die Stadt über die reine Anerkennung hinaus waren weitere Stichworte in diesem Themenbereich.

Als weitere Themen wurden unter Anderem genannt:

  • die fehlende Kinderbetreuung während der verpflichtenden Integrationskurse
  • Probleme bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen
  • der Wunsch nach einem muslimischen Gemeindezentrum
  • die Integration im Vereinsleben der Stadt (Sportvereine, Feuerwehr, Kulturvereine)

In vielen Bereichen konnten die Erlanger SPD feststellen, dass ein Großteil der Forderungen aus ihrem Wahlprogramm 2008 nach wie vor große Aktualität hat. Viele der von den Anwesenden ausgeführten Punkte können nun in das Programm 2014 eingearbeitet werden und so dazu beitragen, dass das Bewusstsein für die Belange der „Neu-Erlangerinnen und Neu-Erlanger“ stärker ins Bewusstsein rückt.