Klare Haltung für Vielfalt und Toleranz gewürdigt

Bei der Verleihung des Karl-Heinz-Hiersemann-Preises 2018 am 16.9. im Erlanger Redoutensaal standen junge Menschen und ihr vielseitiges gesellschaftliches Engagement im Mittelpunkt

Bei seiner Festrede zur Preisverleihung betonte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly wie wichtig es sei, heute öffentlich Haltung zu zeigen und für eine offene und plurale Gesellschaft einzustehen. Dies sei angesichts eines grassierenden Rechtsrucks in unserer Gesellschaft wichtiger denn je, so Maly, der sich bei den Preisträgerinnen und Preisträgern für deren ermutigenden Einsatz für eine lebendige Demokratie, für Integration und gegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus bedankte.

Mit Verweis auf Helmut Schmidt sagte Maly in seiner Festrede „Zur Verantwortung des eigenen Handelns oder Nichthandelns gehört auch dies: Wo immer wir Angst begegnen, da müssen wir sie ernst nehmen. Sie kann eingebildet oder eingeredet sein. Wir müssen sie verstehen und sie entkräften; oder wir müssen Abhilfe schaffen.“ In der Politik würde viel „verstanden“ in den vergangenen Jahren, aber viel zu wenig entkräftet. Deshalb sei es notwendig, klar die Stimme zu erhebe und die politischen Verhältnisse für mehr Demokratie und Gerechtigkeit mitzugestalten.

Alexandra Hiersemann, Mitglied des bayerischen Landtages stellte zum Auftakt der Preisverleihung den ersten von drei gleichberechtigten Preisträgern, die Grundschule Weisendorf vor. Seit über zehn Jahren leisten die Schülerinnen und Schüler der Grundschule in Weisendorf mit dem Zubza-Projekt einen bemerkenswerten und nachhaltigen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Indien und Europa. Mit zahlreichen Hilfsprojekten beweisen sie Toleranz und Offenheit für die Not in der Welt. „Sie werden phantasievoll und tatkräftig aktiv gegen die bestehende Ungerechtigkeit“, so Hiersemann.
In ihrem eigens komponierten Zubza-Song, der bei der Preisverleihung live gesungen wurde, heißt es „Freundschaft mit Herz und Verstand“ und „Viele Menschen stehen füreinander ein! So geht helfen, Mitmenschen sein!

Reiner Prölß, Sozialreferent der Stadt Nürnberg verlieh einen weiteren Preis an die Schülerinnen und Schüler des Arbeitskreises Integration des Adam-Kraft-Gymnasiums Schwabach. Die seit 2015 bestehende Arbeitsgruppe aus ca. 20 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7-12 haben sich die soziale und gesellschaftliche Integration junger Geflüchteter zum Ziel gesetzt. Seit Gründung der Gruppe führen Sie verschiedene Aktionen, die dazu dienen, die gegenseitigen Kontakte zu pflegen und zu intensivieren, Vorurteile abzubauen, sowie Verständnis, Toleranz und interkulturelle Kompetenz zu fördern. Damit sei eine besonders intensive und hervorragende Form der gleichberechtigten Begegnung von Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern gelungen, so Prölß in seiner Laudatio.

Diana Liberova, integrationspol. Sprecherin der Nürnberger SPD-Fraktion freute sich über die Vergabe eines weiteren Preises an die Menschenrechts AG der Berufsschule B5 für Bekleidung Nürnberg. Mit dem Projekt „azadi“, das Freiheit bedeutet, wird eine faire Herstellung und ein fairer Vertrieb von Kleidung unterstützt. Die B5 Modeschulen Nürnberg nahm seit Herbst 2016 die Unterstützung über Design, Schnitt und Planung an dem Projekt „azadi“, sogar in ihrem Lehrplan auf. Hinzu kam ein weiterer Kooperationspartner, die Modeschule NIFT-TEA in Tirupur/Südindien. Durch den regelmäßigen Schüleraustausch zwischen den beiden Modeschulen wurde ein gemeinsames Bewusstsein für eine besondere Zusammenarbeit, Empathie, Menschenrechte und einem fairen Handel gefördert.
Mit dem Preis würde aber auch das herausragende Engagement der Nürnberger Berufschule bei der Integration durch Ausbildung von Geflüchteten in den Berufsintegrationsklassen gewürdigt, so Liberova.

Den Sonderpreis der Erlanger SPD verlieh Philipp Dees, Landtagskandidat der SPD Erlangen an Simon Rötsch. Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich der 17jährige Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Oberasbach mit der Geschichte der jüdischen Fürther, die er mit einem für einen Schüler außergewöhnlichen Niveau erforscht. Seine Arbeit „Religion verhindert Geschichte. Spuren Jüdischen Lebens in Fürth“ brachten ihm einen Landessieg beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten (Körber-Stiftung) ein. Bemerkenswert sei auch seine Arbeit „In der Heym is daham. Wie jüdische Fürther im Jahr 1918 ihre Heimat gestalteten und wie die Heimat es ihnen dankte.“ Sie kamen in der Shoa ums Leben. Aus Sicht der SPD Erlangen ist Simon Rötsch ein würdiger Preisträger, so Dees, denn seine Arbeiten machen Geschichte anschaulich und erlebbar und schlagen eine Brücke zwischen den Problemen der Vergangenheit und den unserer heutigen Zeit. Damit sind sie in besonderer Weise geeignet Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und Antisemitismus entgegenzuwirken.

Die Karl-Heinz-Hiersemann-Preise werden in Gedenken an den vor 20 Jahren, am 15. Juli 1998 verstorbenen Karl-Heinz Hiersemann, ehemaliger Vorsitzender des SPD-Bezirks Franken und Vizepräsident des bayerischen Landtages von der MittelfrankenSPD und dem SPD Kreisverband Erlangen vergeben. Gewürdigt wird damit die Arbeit von Kindern und Jugendlichen aus Mittelfranken, die sich besonders für Völkerverständnis und Integration und gegen Ausgrenzung eingesetzt haben.